Kinderrechte stärken heisst: hinschauen können
- Franziska Roth
- vor 3 Minuten
- 1 Min. Lesezeit

In der Debatte zur Motion 22.4505 ging es um etwas scheinbar Technisches – um Daten. Doch in Wahrheit ging es um etwas Grundsätzliches: darum, ob wir überhaupt wissen, wie es Kindern in unserem Land geht. Eine nationale Statistik ist die Grundlage für seriöse Arbeit. Das zentrale Mittel um Rechte durchsetzen, kontrollieren und verbessern zu können sind wie in der Medizin Daten, die einheitlich, standardisiert und somit vergleichbar sind.
Ich habe mich im Ständerat für die Annahme der Motion eingesetzt. Denn die Realität ist klar: Die Datenlage zur Umsetzung der Kinderrechte in der Schweiz ist lückenhaft – und diese Lücken sind nicht harmlos. Sie führen dazu, dass Kinder und Jugendliche durchs Raster fallen.
Ohne vergleichbare, standardisierte Daten über das ganze Land hinweg können wir weder Probleme erkennen noch wirksam handeln.
Â
Wir würden ja auch keine Gesundheitspolitik machen, ohne zu wissen, wo, warum und wie Krankheiten auftreten. Wir würden die Erreichung des Bundesziels einer evidenzbasierten effizienteren Gesundheitspolitik basierend auf wissenschaftlich fundierten Entscheidungsgrundlagen verunmöglichen.
Genau so wenig können wir Kinderrechte schützen, wenn wir nicht wissen, wo sie verletzt werden.
Umso unverständlicher ist für mich, dass die Motion abgelehnt wurde – mit Verweis auf föderale Zuständigkeiten. Ja, die Kantone tragen Verantwortung. Aber Kindeswohl kennt keine Kantonsgrenzen. Und wer Daten will, muss sie auch erheben.
Mein Antrag wurde knapp abgelehnt. Das ist enttäuschend – aber kein Grund, nachzulassen.
Ich bin überzeugt: Wer Kinderrechte ernst nimmt, muss auch bereit sein, hinzuschauen. Und dafür braucht es eine solide Datenbasis.
Wir bleiben dran.
Â
Die gesamte Debatte im Ständerat kann hier nachgelesen werden.
Mein Votum als Video sehen Sie hier.