Tour d’économie: Unterwegs bei der Martin Vogel AG in Büren
- Franziska Roth

- vor 5 Minuten
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Ende März durfte ich die Martin Vogel AG in Büren im Bezirk Dorneck besuchen. Martin Vogel hat mich herzlich empfangen und mir seinen Betrieb gezeigt – insbesondere seine eindrückliche Brikettierpresse.

Was mich besonders beeindruckt hat: Ich bewege mich hier in einem Gebiet, von dem ich ehrlich gesagt kaum etwas wusste. Und genau deshalb sind solche Besuche für mich so wertvoll.
Ein Nischenprodukt mit grosser Wirkung
Das Brikettieren ist ein echtes Nischenprodukt – aber eines mit grosser Bedeutung.
Und: Es ist alles andere als ein kurzfristiger Trend. Die Martin Vogel AG macht das seit über 36 Jahren.
Die Idee ist so einfach wie genial: Holzspäne, die in Schreinereien anfallen, werden direkt vor Ort eingesammelt und zu Briketts gepresst. Diese bleiben beim Holzbetrieb und können zum Heizen oder für den Verkauf genutzt werden.
Mich hat das an meine Kindheit erinnert:
Wie früher der Störmetzger auf unseren Hof kam und direkt vor Ort gearbeitet hat, so kommt Martin Vogel mit seiner Maschine zum Kunden. Es geht nicht einfach ums Abholen und Wegbringen – sondern um eine echte Leistung direkt vor Ort.
Was ich ebenfalls spannend fand:
Das Brikettieren ist nur ein Teil des Geschäfts. Ein zweites wichtiges Standbein sind Absaug- und Filteranlagen für Schreinereien – also genau jene Systeme, in denen die Holzspäne überhaupt erst anfallen. Ein schönes Beispiel dafür, wie Praxiswissen in verschiedenen Bereichen zusammenkommt.
Kreislauf statt Verschwendung
Besonders spannend fand ich die Diskussion über die „graue Energie“:
Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf Entsorgung. Was steckt eigentlich alles an Energie in einem Produkt – und wie nutzen wir sie?
Beim Brikettieren wird aus Holzabfällen wieder ein nutzbarer Energieträger. Entscheidend ist dabei ein Punkt, der mir vorher nicht bewusst war: Bestimmte Holzreste – etwa Späne aus der Verarbeitung oder auch behandelte Holzbestandteile wie bei Paletten – gelten in ihrer ursprünglichen Form teilweise als Sonderabfall und dürfen nicht einfach verbrannt werden.
Durch das Brikettieren verändert sich die Ausgangslage:
Die gepressten Briketts können anschliessend als Brennstoff genutzt werden – und die darin enthaltene Energie geht nicht verloren.
So entsteht aus einem Entsorgungsproblem wieder ein sinnvoll nutzbarer Kreislauf.
Zwischen Regulierung und Eigenverantwortung
Im Gespräch mit Martin Vogel wurde schnell klar:
Viele Herausforderungen liegen heute weniger in der Technik als im regulatorischen Umfeld.
Wie viel Regulierung braucht es – und wo wäre mehr Eigenverantwortung sinnvoll?
Die Diskussion hat gezeigt, wie schmal dieser Grat ist:
Zu viele Vorschriften bremsen Innovation und Pragmatismus. Zu wenige können ausgenutzt werden. Gefragt ist ein gesunder Mittelweg – getragen von Verantwortung.
Martin hat es mit einem chinesischen Sprichwort auf den Punkt gebracht:
„Wie lange dauert es, bis alle Strassen der Welt gewischt sind? Fünf Minuten – wenn jeder vor seiner eigenen Türe wischt.“
Wirtschaft, Preise und Widersprüche
Wir haben auch über grössere Zusammenhänge gesprochen:
über Subventionen, Marktmechanismen und unser Konsumverhalten.
Ein Punkt hat mich nachdenklich gemacht:
Während wir immer mehr Nachhaltigkeit fordern, erwarten wir gleichzeitig jederzeit verfügbare Produkte zu möglichst tiefen Preisen. Diese Widersprüche begleiten uns überall – auch in der Energie- und Ressourcenfrage.
Mein Fazit
Ich habe einen Betrieb kennengelernt, der mit viel Fachwissen, Pragmatismus und Erfindergeist arbeitet. Und einen Unternehmer, mit dem man offen über alles diskutieren kann – respektvoll, differenziert und mit einem klaren Blick für die Praxis.
Solche Begegnungen zeigen mir immer wieder:
Gute Lösungen entstehen selten am Schreibtisch – sondern dort, wo täglich gearbeitet, ausprobiert und Verantwortung übernommen wird.





















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