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  • AutorenbildFranziska Roth

Der Bundesrat wird beauftragt, sich um die wichtige Frage der «postnatalen Depression» zu kümmern

In der Schweiz nimmt die Zahl junger Frauen mit psychischen Problemen nach der Geburt zu, während die Geburtenrate sinkt. Es bedarf dringender Massnahmen, um psychischen Erkrankungen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt abzubauen. Die Herausforderung der postnatalen Depression ist nach wie vor ungelöst.


Gestern stimmte der Ständerat über mein Postulat ab, das den Bundesrat dazu auffordert, einen Bericht zur postnatalen Depression zu erstellen und sich im Ausland über bewährte Praxisbeispiele zu informieren.


Das Postulat wurde mit 19 zu 13 Stimmen bei 4 Enthaltungen angenommen. Somit ist der Bundesrat beauftragt, die im Postulat formulierten Erwartungen zu erfüllen und entsprechende Massnahmen zu ergreifen.




Mein Votum


Roth Franziska (S, SO): Ich bedanke mich beim Bundesrat für die Beantwortung des Postulats. Ich muss leider auch hier feststellen, dass der Bundesrat in seiner Antwort nicht oder nur teilweise auf meine Fragen, die ich im Postulat gestellt habe, eingeht. Wie wir wissen, gibt es in der Schweiz immer mehr junge Frauen mit psychischen Problemen und auch immer weniger Geburten. Ich vermute, dass es zwischen den psychischen Problemen und der sinkenden Geburtenzahl einen Zusammenhang gibt. Ich bin mir aber bewusst, dass die Thematik vielschichtig ist und dass es mehrere Gründe gibt, welche zur sinkenden Geburtenzahl beitragen. Der Bundesrat schreibt, dass die niederschwellige Betreuung und Beratung durch Hebammen und die Mütter-und Väterberatung (MVB) 90 Prozent aller Geburten abdecken. Dies hat für das Erkennen einer depressiven Störung in der postnatalen Zeit eine Bedeutung. Die Fachpersonen von Gynécologie Suisse haben mir aber bestätigt, dass trotz der Mütter- und Väterberatung postnatale Depressionen massiv unterdiagnostiziert werden. Auch wurde mir mitgeteilt, dass die ambulante und die stationäre Versorgung ungenügend seien. Was nützen Diagnosen, wenn es nachher an Behandlungsmöglichkeiten fehlt? Und ist ein Symptom besser als eine klare Diagnose? Die Risikofaktoren im Inland zu kennen und Massnahmen ergreifen zu können, damit Depres-sionen verhindert oder gemildert werden können, ist doch zentral. Und darum geht es in meinem Postulat. Mit dem Postulat ist der Auftrag verbunden, spezifische Probleme der postnatalen Depression näher zu erforschen, Risikofaktoren in der Schweiz zu erkennen und niederschwellige Behandlungslösungen vorzuschlagen, die sich in einzelnen Kantonen und im Ausland bereits bewährt haben. Übrigens sind auch Männer von postnataler Depression betroffen – und das ist wissenschaftlich nachgewiesen. Ich möchte auch betonen, dass es für das Neugeborene schädliche Folgen mit Langzeitwirkung haben kann, wenn die junge Mutter psychisch krank ist und nicht oder zu spät behandelt werden kann. Mit dem Postulat soll diese Lücke zumindest teilweise geschlossen werden.


Ich habe mich auf die Lektüre des Berichts gefreut, den der Bundesrat in Erfüllung des Postulats Fehlmann-Rielle 19.3910, «Gesundheit der Frauen. Bessere Berücksichtigung ihrer Eigenheiten», am 15. Mai 2024 publiziert hat. Enttäuschend ist, dass die Themen Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett im Bericht gänzlich fehlen. Ich denke, da haben wir 100 Prozent Übereinstimmung, dass es eine Eigenheit von uns Frauen ist, dass wir schwanger werden können und Kinder gebären können. Wir sollten als Parlament und als Gesellschaft die Schwangerschaft und die Elternschaft fördern, weil sie unsere Zukunft sind. Es braucht Massnahmen, damit schwangerschafts- und geburtsbezogene Ängste und depressive Störungen abgebaut werden können. Es trifft also überhaupt nicht zu, dass die Problematik der postnatalen Depression gelöst ist und ein Postulatsbericht «keinen substanziellen Beitrag» leisten könnte. Ganz im Gegenteil – das Postulat kann im Idealfall dazu beitragen, dass psychischen Krisen, die mit einer Geburt verbunden sind, begegnet werden kann, dass sie vermindert, gelindert oder gar vermieden werden können. Und man kann mit einer Annahme des Postulates indirekt dazu beitragen, dass wieder mehr Kinder auf die Welt kommen. Diese Chance, finde ich, sollten wir packen, und wir sollten dem Postulat zustimmen.

 

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