• Franziska Roth

Mit Pseudopädagogik Angst schüren


Seit über 30 Jahren arbeite ich mit und für Menschen mit psychischen Krankheiten. Mit schweizweiten Aktionstagen geben wir Betroffenen eine Stimme, kämpfen dafür, dass ihr Leiden nicht verharmlost, ja gar verneint wird. Wir enttabuisieren.


Aktuell meldet Task-Force-Chef Ackermann: «Wenn sich alle impfen lassen würden, wäre die Pandemie in 8 Wochen vorbei». Wirklich?


Ich will und muss es hier loswerden: Es sind solche «Pseudopädagogik» Aussagen, die psychisch kranke Menschen in die nächste Panikattacke, Depression etc. stürzen lassen.

Gesundheit ist nicht einfach das Fehlen einer Krankheit oder Ausradieren eines Virus. Es werden nie alle Menschen gleich Denken und damit Handeln. Das muss ein Wissenschaftler aushalten können!


Die Flut an Meldungen über Corona lassen Menschen mit einer Angststörung, Depression etc. in den Wogen ihrer Emotionen ertrinken. Die moderne Neuro- und Kognitionsforschung weiss: Nicht blosse «Fakten» bedingen politische Entscheide, sondern kognitive Deutungsrahmen.


Politiker*innen und Wissenschaftler*innen, die sich die Menschen zurechtreden, sind brandgefährlich. Wer Solidarität verlangt muss vor allem zwei Sachen können: Ruhe bewahren und ZUHÖREN. Zurückhaltung im eigenen Urteil ist auch bei Fachpersonen angebracht.


Ich wehre mich, dass Corona uns im Kampf für die Enttabuisierung psychischer Krankheiten um Jahre zurückwirft. Ich erwarte von uns Politiker*innen und von den Wissenschaftler*innen Bescheidenheit im eigenen Urteil aufgrund des Bewusstwerdens ihrer verwendeten Wörter und Sätze. Nur so klappt es mit der Solidarität.